ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

| | 0 Kommentare

Tag 31

Im Laufe meines Lebens konnte ich mich an vieles gewöhnen, nur Abschied tut mir immer wieder auf’s Neue weh. Mir werden fehlen: der Hahn mit der Kräh-Neurose, die schnarrende Kühlanlage vom Supermarkt und das zu laute Lachen meiner Zimmerwirtin, das viele Olivenöl am Essen, der blaue Himmel und das helle Licht der griechischen Sonne. Die Sonnenaufgänge und -untergänge, das morgendliche Bad im Meer, meine Yoga-Übungen auf der Dachterasse mit dem Blick auf den Peloponnes und natürlich mein Arbeitsplatz im Schatten auf der Veranda.

Passend zur Abschiedsstimmung habe ich nun auch das wunderbare Buch von Emile Ajar „Du hast das Leben noch vor Dir“ (frz.: La Vie devant soi) fertig gelesen und werde es Marias kleiner Bibliothek spenden, damit es noch viele andere lesen. Hier ein kleiner Auszug:

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Madame Rosa. Das sind alles Schufte. Sie wollen Sie nicht abtreiben.“
Sie schien sehr ruhig. Sie hat nur darum gebeten, sich zu waschen, weil sie unter sich gepinkelt hatte.
Ich finde, dass sie sehr schön war, wenn ich jetzt an sie zurückdenke. Das kommt darauf an, wie man an jemand denkt.
(…)
„Was bin ich hässlich geworden, Momo.“
Ich habe einen Zorn gekriegt, weil man kein Recht hat, über eine Frau, die alt und krank ist, etwas Böses zu sagen. Ich finde, daß man nicht alles mit demselben Blick beurteilen kann, wie die Nilpferde oder die Schildkröten, die nicht sind wie alle Welt.“

 

 

Verfilmt wurde das Buch erstmalig 1977 von Moshé Mizrahi mit Simone Signoret in der Rolle als Madame Rosa:

ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

| | 0 Kommentare

Tag 16

Die Sonne scheint wieder, nach zwei Tagen und Nächten Sturm und Regenfällen.

Vorletzte Nacht war es besonders heftig. Der Wind rüttelte gewaltig am Haus. Es goss wie aus Eimern. Außerdem erzählte mir ein Freund am Tag vor dem Unwetter, es gebe hier schon mal Erdbeben mit einer Stärke von 6,5. Immerhin sind die Gebäude auf Zákynthos in Folge eines Erdbebens im Jahr 1953 fast vollständig zerstört worden.

Besuch nach dem Regen (c) Judith Theuerkauf

Ich lag also hellwach im Bett und zählte die Abstände zwischen Blitz und Donner. Ich hörte es rauschen, klappern, krachen. Ich hatte Angst. Mit wurde bewusst, dass meine Zeit hier auf Erden begrenzt ist. Ich begann, über die wesentliche Dinge meines Lebens nachzudenken, mir Fragen zu stellen: Würden meine Freunde mich vermissen? Bin ich eine gute Mutter gewesen? Hatte ich mit den Armen geteilt und die Umwelt geschützt?

Hatte ich meine DATEN GESICHERT?

Datensicherung „bezeichnet das Kopieren von Daten in der Absicht, diese im Fall eines Datenverlust zurückkopieren zu können.“ weiß Wikipedia. Man kann auf vielfältige Weise Daten verlieren: Bei einem Erdbeben stürzt ein Balken herab: Laptop kaputt! Und meine Diss auch. Dachziegeln fliegen davon, Wasser dringt in Massen ungehindert in das Haus und schwemmt meine Daten weg.

Natürlich habe ich eine externe Festplatte mit einer halbwegs aktuellen Version. Aber die Festplatte befindet sich in dem gleichen Raum wie der Laptop …
Ich brauche einen sicheren Ort, irgendwo da draußen.
Einen solchen Ort gibt es in der wewewe-Parallelwelt. Er heißt Dropbox. Dort sind meine Daten aus anderen Gründen zwar auch nicht sicher, aber für meine Zwecke reicht es.
Außerdem schicke ich mir ab sofort – versprochen – jeden Abend die neueste Version per Email selbst zu. Wenn dann meinem Laptop etwas zustößt, kann ich immer noch im nächsten Internet-Café die letzte Version abrufen.

Auf manche Fragen gibt es einfache Antworten. An den Antworten auf die anderen Fragen arbeite ich noch.

ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

| | 0 Kommentare

Tag 9

Ballfeige (c) Judith Theuerkauf

Der Bus ist heute nicht gefahren, also war gestern wirklich Samstag. Mein Rücken ist noch immer verspannt. Es reicht wohl nicht, wenn ich mir das Yoga-Video zu jeder vollen Stunde einmal ansehe…
Man muss die Übungen selbst machen. Ach so.

Im Feigenbaum finde ich einen super Chi-Ball. Ich pflücke, wasche und schäle ihn und los geht’s. Mal sehen, wie es mir morgen geht.

ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

| | 0 Kommentare

Tag 8

Allmählich verliere ich mein Zeitgefühl. Ich glaube, heute ist Samstag. Morgen kann ich es sicher wissen: Wenn morgen der Bus nicht fährt, ist Sonntag und es wird heute Samstag gewesen sein.

Ich warte nicht bis morgen, ich frage die Nachbarn. Die Wochentage heißen auf Griechisch: Δευτερτ, Τριτι, Τεταρτη, Πεμπτη, Παρασκευη, Σαββατο und Κυριακη. Aha, heute ist Σαββατο, sawwato, Samstag.

Am Samstag tut mir der Rücken weh. Wer Schmerzen hat, schreibt nicht gut.
Es gibt anscheinend eine geheime Absprache zwischen meinen Augen-, Nacken- und Rückenmuskeln: Verspannen sich die einen, machen die anderen mit. Sie sagen dann auch den Arm- und Beinmuskeln Bescheid. Dann tun alle gemeinsam weh, und zwar solange, bis ich es merke.

Ich merke es. Ich suche. Ich finde, und zwar bei youtube:
.

Das sieht einfach aus, wird schön vorgemacht und auch erklärt. Unter dem Video steht:

Ein komplettes Übungsprogramm um Nackenverspannungen zu lösen finden Sie auf der DVD «Spirals & Waves 5» von Lucia Nirmala Schmidt — diese DVD kann unter http://www.body-mind-spirit.ch bestellt werden.

.

Mal sehen, wie es meinem Rücken morgen – Κυριακη – geht!

Blind schreiben, Uebereck.

| | 0 Kommentare

Ein Mann und eine Frau lernen sich dank ihrer gemeinsamen Liebe zu dem Musiker Neil Young in einem sozialen Netzwerk im Internet kennen und werden per Mausklick virtuelle Freunde.

So ungefähr könnte ein Hollywood-Film beginnen, in dem von nun an die beiden im realen Leben ständig aneinander vorbeilaufen, obwohl sich ihre Wege immer wieder kreuzen, was aber nur die Zuschauer wissen. Beispielsweise rempelt sie ihn vor der chinesischen Botschaft an, denn sie ist Reisebuch-Autorin und braucht ein Visum, und er engagiert sich für ein freies Tibet und hält dort Mahnwache. So begegnen sie sich immer wieder über viele Jahre und die ersten 60 Film-Minuten, ohne einander zu erkennen, und halten in der Zeit über die Internet-Plattform Kontakt. Nach etlichen Um- und Irrwegen und zwei unglückliche Ehen später verabreden sich beide endlich, um sich dann – na klar – ineinander zu verlieben, was die Zuschauer aber nicht mehr mitbekommen, weil sie eingeschlafen sind.

Gebetsfahnen (c) Ihamo / photocase.com

Im wirklichen Leben beginnt so ein neuer Ausflug quer durch die Stadt von Schöneberg zum Prenzlauer Berg ins Café Uebereck in der Prenzlauer Allee 47. Denn „Sie“ ist keine Reisebuch-Autorin, sondern Schreibtrainerin auf der Suche nach neuen charismatischen Schreiborten und „Er“ ist Marco, der Wirt vom Uebereck.

Und um es gleich vorweg zu sagen: Ein charismatischer Schreibort ist das Uebereck nicht, denn es ist zu dunkel dort. Aber: Es ist eine ausgesprochen nette Kneipe, die den Ausflug allemal gelohnt hat. Auf den dunklen, rustikalen Holztischen brennen Kerzen; heller ist es nur in Tresennähe. Zwar komme ich langsam, langsam in das Alter, wo ich im Schummerlicht besser aussehe, jedoch zunehmend schlechter sehe. Und sehen muss ich, sonst kann ich nicht schreiben.

Ich will aber schreiben! Und davon lasse ich mich nicht abhalten, denn: Es gibt keinen Grund, nicht zu schreiben. Das sind alles nur Vorwände. Sage ich mir und packe mein Notebook aus. In dem Wort Tastatur steckt ja auch das Wort tasten und so erfühle ich über die Fingerspitzen den Weg zu den richtigen Buchstaben, die sich auf dem erleuchteten Monitor zu Worten und Sätzen reihen. Wenigstens sehe ich, was ich schreibe, wenn ich schon nicht sehe, wie ich schreibe. mehr »

Charismatische Schreiborte: Beim Gasometer

| | 1 Kommentar

Es ist der letzte Sonntag im August, das Ende eines zu kurzen Sommers ist absehbar. Gern würde ich die letzten warmen Tage nutzen, aber nein: ich habe zu tun!

Aber wozu drinnen am Schreibtisch arbeiten, wenn ich auch draußen arbeiten kann? Meine heutige Schreibaufgabe ist nämlich vor allem eine Leseaufgabe: ich muss meinen Businessplan für mein Gründungsvorhaben auf inhaltliche Lücken und Widersprüche hin lesen und dann überarbeiten, dabei Grammatik und Rechtschreibung korrigieren und noch etwas an den Formulierungen feilen. Dafür brauche ich kein Internet und auch keinen PC, sondern am besten einen Umgebungswechsel.

Schreibblock (c) Judith Theuerkauf

Ein Park soll es sein und in der Nähe soll er sein. Mein Arbeitsausflug führt mich daher zu dem neu angelegten Minipark am Fuße des Schöneberger Gasometers, der sogenannten GASAG-Nordspitze.

Charismatisch wird der Ort für mich durch die Präsenz des Gasometers; ich liebe den maroden Charme von Industriedenkmälern. Ich fühle mich klein angesichts der Vergänglichkeit einstiger Ingenieurbaukunst einerseits und ihrer Beständigkeit andererseits, denn der Gasometer macht für seine 100 Jahre noch einen recht stabilen Eindruck …

Im Park haben vorrausschauende Landschaftsplaner oder –planerinnen einige Schreibblöcke (haha!) auf der Wiese verteilt. Das finde ich schon mal nett und ich breite meine Unterlagen auf einem der hellgrauen Steinklötze aus. Hm, etwas kühl ist es schon auf den Stufen – Notiz an mich selbst: nächstes Mal Kissen mitnehmen. Für heute aber ist es (gerade noch) warm genug. mehr »

Charismatische Schreiborte

| | 0 Kommentare

Immer nur zuhause am Schreibtisch sitzen ist langweilig? Finde ich auch. In Abständen berichte ich über schöne, interessante, ruhige oder auch lebendige und vor allem inspirierende Orte in Berlin und Umgebung, die mein Schreiben positiv beeinflussen. Die Auswahl ist natürlich rein subjektiv.

Nachmachen empfohlen! Vielleicht treffen wir uns ja mal unterwegs.

Und natürlich freue ich mich über Tipps und Anregungen, besonders auch für die kalte Jahreszeit. Wo lässt es sich in Berlin (und anderswo) gut schreiben?

zum Seitenanfang ↑