ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

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Tag 3

Mein Arbeits­platz auf der Veranda im Schat­ten ist ein­ge­rich­tet. W-Lan und Skype funk­tio­nie­ren super. End­lich kann ich mich ganz in Ruhe ohne Groß­stadt­lärm und Ablen­kun­gen mei­ner Dis­ser­ta­tion widmen.

Wenn nur der Dorf-Hahn nicht wäre.

Der ist so ein Hun­der­pro­zen­ti­ger. Er nimmt seine Auf­gabe ernst. Damit nie­mand ver­schläft, beginnt er etwa gegen 2 Uhr in der Nacht zu krä­hen. Dann kräht er die ganze Nacht hin­durch und auch den gan­zen Tag.

Und ich kann nicht mehr schlafen.

Ich werde ihn heute suchen und mit ihm reden. Ganz in Ruhe. Mit ihm über seine Ziele spre­chen und über sein Ver­ständ­nis davon, was seine Auf­gabe ist. Im gemein­sa­men Gespräch arbei­ten wir her­aus, dass er keine Angst haben muss, sei­nen Job zu ver­lie­ren, wenn er erst kräht, sobald die Sonne auf­geht. Sagen wir, frü­hes­tens so gegen 7 Uhr? Dass er lang­fris­tig den Kür­ze­ren zieht, wenn er vor lau­ter Pflicht­er­fül­lung die Fami­lie ver­nach­läs­sigt. Dass es viel­leicht auch eine gute Idee sein könnte, mit sei­nen Frauen spon­tan einen län­ge­ren Urlaub zu machen. Das würde auch die part­ner­schaft­li­chen Bezie­hun­gen neu beleben.

Natür­lich müs­sen da zunächst Ängste abge­baut wer­den. Sicher­lich müs­sen wir auch an sei­nem Rol­len­ver­ständ­nis als Hahn arbei­ten, aber ich bin opti­mis­tisch. Und sollte alle Inter­ven­tion nicht fruch­ten, wer­den wir gemein­sam an neuen beruf­li­chen Pespek­ti­ven für ihn arbei­ten. Bei­spiels­weise sehe ich aus­ge­zeich­nete Chan­cen, kurz­fris­tig als Grill-Hähnchen unter­zu­kom­men oder sich auch lang­fris­tig als Tiefkühl-Hähnchen eine neue Exis­tenz aufzubauen.

Haupt­sa­che, ich kann schlafen.

Pas­send der wun­der­bare kleine Film »Cock A Doodle Dog« von Tex Avery:

 

The Writress‘ Blog (4)

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Sind meine Texte leicht lesbar?

Ant­wort dar­auf soll die so genannte Flesch-Formel geben: Mit die­ser For­mel kann der Les­bar­keits­in­dex von Tex­ten errech­net wer­den. In die Berech­nung flie­ßen die durch­schnitt­li­che Sil­be­n­an­zahl pro Wort und die durch­schnitt­li­che Satz­länge ein. Ist der Wert hoch, sind die Texte leicht les­bar, ist er nied­rig, dann nicht.

Habe also die Les­bar­keit mei­ner Texte getes­tet: ein­mal einen Aus­schnitt aus mei­nem Blog und dann einen Absatz aus mei­ner Diss.

Und hier sind die Ergebnisse:

  • mein Blog: 67; das ent­spricht einem leicht les­ba­ren Werbetext
  • meine Diss: minus  7; das ent­spricht einer super schwer ver­ständ­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Abhandlung.

Muss man der Flesch-Formel glau­ben? Eine — etwas pole­mi­sche, aber unter­halt­same — kri­ti­sche Betrach­tung fin­det sich hier.

Und wol­len wir wirk­lich nur noch kurze Einsilber-Sätze à la Bild-Zeitung lesen?

Ich: nicht!

The writress’ blog (3)

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Letzte Nacht träumte ich, ich habe ver­ges­sen meine Beine zu rasie­ren. Ich blickte — im Traum — an mir her­un­ter und sah gräss­li­che schwarze Bors­ten sprie­ßen, wo eigent­lich makel­los glatte Haut schim­mern sollte. Meine behaar­ten Beine waren mir so pein­lich, dass ich mich nicht aus dem Haus traute.

Um es mit Judith Holo­fer­nes (aller­dings in einem kom­plett ande­ren, aber immer wie­der lesens­wer­ten Zusam­men­hang) zu sagen: »Ich glaub, es hackt«.

Habe ich denn keine ande­ren Sorgen?

Da wäre bei­spiels­weise das Buch für den UTB-Verlag, an dem ich aktu­ell sitze: Gerade über­ar­beite ich das Roh-Manuskript. Da müs­sen nicht nur ein paar zarte Här­chen gezupft wer­den, son­dern Äste geschnit­ten, ein paar Bäume ver­setzt und ein paar neu gepflanzt wer­den, bis ich da einen hüb­schen klei­nen mit­tel­eu­ro­päi­schen Nutz­wald habe …

Oder meine Diss: lei­der sehe ich dort, wie man so schön sagt, den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht mehr. Da muss noch groß­flä­chig gero­det wer­den vor lau­ter Wild­wuchs. Nichts gegen einen geheim­nis­vol­len Bruch­wald oder einen undurch­dring­li­chen Urwald, aber eine Diss ist nun mal kein Naturschutzgebiet.

Und dann war­tet da noch der ganz nor­male Tages­be­trieb als frei­be­ruf­li­che Schreib­trai­ne­rin auf mich: das Win­ter­se­mes­ter steht vor der Tür und muss vor­be­rei­tet wer­den, zwei uner­war­tete Auf­träge (Hurra!) erle­dige ich sozu­sa­gen neben­her, Buch­füh­rung, Blog schrei­ben und so weiter.

Ich leide also unter Mul­ti­pler Schreib­pro­jek­ti­tis. Erfah­rene Schreib­be­ra­te­rin­nen wis­sen: Für diese Krank­heit ist mein Traum sym­pto­ma­tisch. In die­sem Traum habe ich unbe­wusst einen Neben­schau­platz eröff­net, um mich von den eigent­li­chen Kran­keits­sym­pto­men abzu­len­ken, da diese zu schmerz­haft sind.

Die eigent­li­che Sym­ptome sind: Angst zu ver­sa­gen, plötz­li­che und unkon­trol­lier­bare Tief­schlaf­pha­sen wäh­rend lang­wei­li­ger Rou­ti­ne­ar­bei­ten, chro­ni­sche Ide­en­lo­sig­keit, Müdig­keit, Erschöp­fung, Schlaf­lo­sig­keit gepaart mit nächt­li­chen Grü­be­leien, soziale Ver­ein­sa­mung, Per­fek­tio­nis­mus und gerade neu gekaufte Dru­cker­pa­tro­nen, die spon­tan bei ers­ter Ver­wen­dung eintrocknen.

Wie wun­der­bar ist im Ver­gleich dazu ein Pro­blem, das sich mit einem sim­plen Lady Shaver behe­ben lässt!

 

The writress’ blog (2)

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zu viel im Kopf und alles durch­ein­an­der … © .marqs / photocase.com

Die Dok­tor­ar­beit will mir nicht so Recht von der Hand gehen, dabei bin ich hoch­mo­ti­viert. Aber da sind tau­send Dinge, die auch erle­digt wer­den müs­sen, denn schließ­lich muss ich ja auch von etwas leben…

Ich denke, die­ses Schick­sal teile ich mit vie­len Dok­to­ran­den und Dok­to­ran­din­nen. Sicher­lich: es gibt auch die ande­ren, die mit den Sti­pen­dien, ohne Kin­der, mit einer Fami­lie im Rücken und Geld auf dem Konto. Glück­li­che Wis­sen­schaft­le­rIn­nen, die sich nur auf eines kon­zen­trie­ren müs­sen, näm­lich ihre Diss. Zu die­sen Men­schen gehöre ich nicht.

Und wenn ich mich so umhöre, so höre ich immer wie­der auch das: ich habe auch mal ange­fan­gen, eine Dok­tor­ar­beit zu schrei­ben, habe dann aber wie­der auf­ge­ge­ben, als die Kin­der kamen, als ich anfing zu arbei­ten oder oder oder

Ich gebe nicht auf. Ver­spro­chen. Aber es ist schwer. Und das muss auch mal in aller Deut­lich­keit gesagt wer­den. Es ist schwer, den Kopf frei zu bekom­men, wenn man so viel im Kopf und um die Ohren hat wie viele Aka­de­mi­ke­rin­nen, die zugleich auch Müt­ter sind.

Heu­len hilft bloß auch nicht wei­ter. Was mir im Moment hilft? Den Anspruch an mich selbst her­un­ter­zu­schrau­ben. Indem ich die Dok­tor­ar­beit von ihrem Sockel hebe. Da habe ich sie näm­lich hin­ge­stellt: Oh, du hei­lige DOKTORARBEIT! So was erschaf­fen nur ganz beson­dere und über­aus kluge Men­schen, gott­glei­che Wesen eigentlich …

Blöd­sinn! Eine Dok­tor­ar­beit ist kein Monu­men­tal­bau­werk und kein Denk­mal, das ich mir setze, son­dern ledig­lich ein wei­te­rer Mei­len­stein wie das Abitur, mein Buchhändler-Zeugnis und das Inge­nieur­di­plom, also einer von vie­len. Und wohin der Weg führt, den diese Mei­len­steine säu­men, weiß niemand.

Wenn der Kopf ohne­hin schon voll ist mit tau­send Sachen, dann passt ein Denk­mal natür­lich nicht mehr hin­ein. Aber ein ein­fa­ches Manu­skript bringe ich schon noch unter. Und ich werde mir ein­fach vor­stel­len, es sei nicht meine Dok­tor­ar­beit, son­dern eine Auf­trags­ar­beit. Der Witz daran ist: den Auf­trag, ein wis­sen­schaft­li­ches Manu­skript von 300 Sei­ten zu über­ar­bei­ten, würde ich in vier Wochen sicher­lich erle­di­gen kön­nen, mög­li­cher­weise sogar schon früher.

Na, mal sehen …

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Das Foto »I was here« hat .marqs gemacht. Gefun­den habe ich es bei www.photocase.com. … Wo sonst?

The writress’ blog (1)

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Auch Schreib­trai­ne­rin­nen, inso­fern sie selbst schrei­ben, haben Schreib­pro­bleme. Ich bin da keine Ausnahme.

Zum Bei­spiel meine Dis­ser­ta­tion. Die liegt als Roh­ver­sion seit Wochen dick und schwer und unan­ge­rührt auf mei­nem Tisch, in mei­nem Magen, in mei­nem Hirn. Das muss sich ändern! Jetzt.

300 Sei­ten, Schrift­größe 10. Das ist ins­ge­samt zu viel und par­ti­ell noch zu wenig. Will sagen: Man­ches kann raus, vie­les kann straf­fer, aber es sind auch noch viele Abschnitte unvoll­stän­dig. Es feh­len noch Inhalte, die ich bis­lang nur im Kopf und in den unend­li­chen Wei­ten mei­nes Archi­vie­rungs­sys­tems habe.

Ich bin eine stark zer­le­gende Schrei­be­rin. Das bedeu­tet, dass ich den Gesamt­text her­un­ter­bre­che in kleinste Mosa­ikteil­chen, die ich irgend­wann, wenn ich mein Thema inhalt­lich aus­rei­chend durch­drun­gen habe, beginne zusam­men­zu­set­zen. Die­ser Pro­zess ist aller­dings recht müh­sam, denn lei­der fehlt mir, bei­spiels­weise für mein 3. Kapi­tel, eine genaue Bau­an­lei­tung — so eine wie von IKEA oder Lego — nach der ich vor­ge­hen kann. Schritt für Schritt.

Bau­an­lei­tung für Kapi­tel 3 © Judith Theuerkauf

Hoppla! Da beschreibe ich doch gerade genau das, was ich brau­che: eine Bau­an­lei­tung! Für meine Mosa­ikteil­chen. Na, jetzt weiß ich doch, was ich zu tun habe: Ich zeichne mir ein­fach eine selbst. Voilá!

Meine Bau­an­lei­tung für mein 3. Kapi­tel ist fer­tig. Ich erkenne an den aus­ein­an­der­lau­fen­den Pfei­len im obe­ren Blatt­drit­tel, was mir vor­her nicht klar war: Es gibt offen­sicht­lich eine Par­a­l­ell­ent­wick­lung, die ich am Ende (siehe Pfeile unten) wie­der zusam­men­füh­ren möchte.

Das war mir so nicht bewusst. Daher rührte wohl meine Schwie­rig­keit und auch meine Unlust, die­ses Kapi­tel zu schreiben.

Jetzt sehe ich klarer!

Kom­plexe Sach­ver­halte erst­mal zu skiz­zie­ren, ist für stark visu­ell ori­en­tierte Men­schen wie mich eine gute Methode, um sich selbst einen Über­blick und Klar­heit zu verschaffen.

Im nächs­ten Schritt werde ich die Skizze ver­ba­li­sie­ren, was für mich kein Pro­blem dar­stellt, denn ich brau­che ein­fach nur beschrei­ben, was ich sehe. In das so ent­stan­dene ver­bale Grund­ge­rüst füge ich dann meine Mosa­ik­stein­chen ein, iden­ti­fi­ziere die Lücken und danach sehe ich weiter.

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