ΣchrεibZεit αuf Zάkynthos

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Tag 31

Im Laufe meines Lebens konnte ich mich an vieles gewöhnen, nur Abschied tut mir immer wieder auf’s Neue weh. Mir werden fehlen: der Hahn mit der Kräh-Neurose, die schnarrende Kühlanlage vom Supermarkt und das zu laute Lachen meiner Zimmerwirtin, das viele Olivenöl am Essen, der blaue Himmel und das helle Licht der griechischen Sonne. Die Sonnenaufgänge und -untergänge, das morgendliche Bad im Meer, meine Yoga-Übungen auf der Dachterasse mit dem Blick auf den Peloponnes und natürlich mein Arbeitsplatz im Schatten auf der Veranda.

Passend zur Abschiedsstimmung habe ich nun auch das wunderbare Buch von Emile Ajar „Du hast das Leben noch vor Dir“ (frz.: La Vie devant soi) fertig gelesen und werde es Marias kleiner Bibliothek spenden, damit es noch viele andere lesen. Hier ein kleiner Auszug:

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Madame Rosa. Das sind alles Schufte. Sie wollen Sie nicht abtreiben.“
Sie schien sehr ruhig. Sie hat nur darum gebeten, sich zu waschen, weil sie unter sich gepinkelt hatte.
Ich finde, dass sie sehr schön war, wenn ich jetzt an sie zurückdenke. Das kommt darauf an, wie man an jemand denkt.
(…)
„Was bin ich hässlich geworden, Momo.“
Ich habe einen Zorn gekriegt, weil man kein Recht hat, über eine Frau, die alt und krank ist, etwas Böses zu sagen. Ich finde, daß man nicht alles mit demselben Blick beurteilen kann, wie die Nilpferde oder die Schildkröten, die nicht sind wie alle Welt.“

 

 

Verfilmt wurde das Buch erstmalig 1977 von Moshé Mizrahi mit Simone Signoret in der Rolle als Madame Rosa:

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