Blind schreiben, Uebereck.

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Ein Mann und eine Frau lernen sich dank ihrer gemeinsamen Liebe zu dem Musiker Neil Young in einem sozialen Netzwerk im Internet kennen und werden per Mausklick virtuelle Freunde.

So ungefähr könnte ein Hollywood-Film beginnen, in dem von nun an die beiden im realen Leben ständig aneinander vorbeilaufen, obwohl sich ihre Wege immer wieder kreuzen, was aber nur die Zuschauer wissen. Beispielsweise rempelt sie ihn vor der chinesischen Botschaft an, denn sie ist Reisebuch-Autorin und braucht ein Visum, und er engagiert sich für ein freies Tibet und hält dort Mahnwache. So begegnen sie sich immer wieder über viele Jahre und die ersten 60 Film-Minuten, ohne einander zu erkennen, und halten in der Zeit über die Internet-Plattform Kontakt. Nach etlichen Um- und Irrwegen und zwei unglückliche Ehen später verabreden sich beide endlich, um sich dann – na klar – ineinander zu verlieben, was die Zuschauer aber nicht mehr mitbekommen, weil sie eingeschlafen sind.

Gebetsfahnen (c) Ihamo / photocase.com

Im wirklichen Leben beginnt so ein neuer Ausflug quer durch die Stadt von Schöneberg zum Prenzlauer Berg ins Café Uebereck in der Prenzlauer Allee 47. Denn „Sie“ ist keine Reisebuch-Autorin, sondern Schreibtrainerin auf der Suche nach neuen charismatischen Schreiborten und „Er“ ist Marco, der Wirt vom Uebereck.

Und um es gleich vorweg zu sagen: Ein charismatischer Schreibort ist das Uebereck nicht, denn es ist zu dunkel dort. Aber: Es ist eine ausgesprochen nette Kneipe, die den Ausflug allemal gelohnt hat. Auf den dunklen, rustikalen Holztischen brennen Kerzen; heller ist es nur in Tresennähe. Zwar komme ich langsam, langsam in das Alter, wo ich im Schummerlicht besser aussehe, jedoch zunehmend schlechter sehe. Und sehen muss ich, sonst kann ich nicht schreiben.

Ich will aber schreiben! Und davon lasse ich mich nicht abhalten, denn: Es gibt keinen Grund, nicht zu schreiben. Das sind alles nur Vorwände. Sage ich mir und packe mein Notebook aus. In dem Wort Tastatur steckt ja auch das Wort tasten und so erfühle ich über die Fingerspitzen den Weg zu den richtigen Buchstaben, die sich auf dem erleuchteten Monitor zu Worten und Sätzen reihen. Wenigstens sehe ich, was ich schreibe, wenn ich schon nicht sehe, wie ich schreibe. mehr »

Workshop im Dezember: Der Schreibprozess

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Der Schreibprozess – Die wissenschaftliche Abschlussarbeit effektiv und effizient schreiben!

Die Bachelor- oder Masterarbeit zu schreiben ist ein komplexes Projekt, das viele Fragen aufwirft: Wie finde ich ein Thema? Wie kann ich die Arbeit in der vorgesehenen Zeit schaffen? Wie gehe ich vor? Was muss ich beim Schreiben beachten? Wie gestalte ich die Zusammenarbeit mit meinem Betreuer oder meiner Betreuerin?

Der Workshop gibt einen Überblick über den wissenschaftlichen Arbeits- und Schreibprozess sowie mögliche Probleme und Lösungswege.

Kurzinfo:

  • Zielgruppe: Studenten und Studentinnen der Ingenieurwissenschaften (Bachelor, Master und Diplom)
  • max. 8 TeilnehmerInnen
  • Zeit: 17.12.2010, 14 bis 18 Uhr (s.t.)
  • Ort: zentral und mit BVG erreichbar, wird nach Anmeldung bekannt gegeben
  • Kosten: 30 € (inklusive Handouts und Passwort für den Reader „Der Schreibprozess“)
  • Anmeldungen: ab sofort möglich über das Kontaktformular.

The writress’ blog (1)

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Auch Schreibtrainerinnen, insofern sie selbst schreiben, haben Schreibprobleme. Ich bin da keine Ausnahme.

Zum Beispiel meine Dissertation. Die liegt als Rohversion seit Wochen dick und schwer und unangerührt auf meinem Tisch, in meinem Magen, in meinem Hirn. Das muss sich ändern! Jetzt.

300 Seiten, Schriftgröße 10. Das ist insgesamt zu viel und partiell noch zu wenig. Will sagen: Manches kann raus, vieles kann straffer, aber es sind auch noch viele Abschnitte unvollständig. Es fehlen noch Inhalte, die ich bislang nur im Kopf und in den unendlichen Weiten meines Archivierungssystems habe.

Ich bin eine stark zerlegende Schreiberin. Das bedeutet, dass ich den Gesamttext herunterbreche in kleinste Mosaikteilchen, die ich irgendwann, wenn ich mein Thema inhaltlich ausreichend durchdrungen habe, beginne zusammenzusetzen. Dieser Prozess ist allerdings recht mühsam, denn leider fehlt mir, beispielsweise für mein 3. Kapitel, eine genaue Bauanleitung – so eine wie von IKEA oder Lego – nach der ich vorgehen kann. Schritt für Schritt.

Bauanleitung für Kapitel 3 (c) Judith Theuerkauf

Hoppla! Da beschreibe ich doch gerade genau das, was ich brauche: eine Bauanleitung! Für meine Mosaikteilchen. Na, jetzt weiß ich doch, was ich zu tun habe: Ich zeichne mir einfach eine selbst. Voilá!

Meine Bauanleitung für mein 3. Kapitel ist fertig. Ich erkenne an den auseinanderlaufenden Pfeilen im oberen Blattdrittel, was mir vorher nicht klar war: Es gibt offensichtlich eine Paralellentwicklung, die ich am Ende (siehe Pfeile unten) wieder zusammenführen möchte.

Das war mir so nicht bewusst. Daher rührte wohl meine Schwierigkeit und auch meine Unlust, dieses Kapitel zu schreiben.

Jetzt sehe ich klarer!

Komplexe Sachverhalte erstmal zu skizzieren, ist für stark visuell orientierte Menschen wie mich eine gute Methode, um sich selbst einen Überblick und Klarheit zu verschaffen.

Im nächsten Schritt werde ich die Skizze verbalisieren, was für mich kein Problem darstellt, denn ich brauche einfach nur beschreiben, was ich sehe. In das so entstandene verbale Grundgerüst füge ich dann meine Mosaiksteinchen ein, identifiziere die Lücken und danach sehe ich weiter.

Wanderer zwischen den Welten (Version 2)

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Wanderer zwischen den Welten (2)

sturm zieht auf.
bevor es nacht wird, schließt die fenster.
der mond scheint heute nicht mehr.

am himmel knüpfen schwarze wolken
einen teppich von regen schwer.

rette sich, wer kann. mensch und tier: rennt!
aus dem wolkenteppich zucken feuer.
der himmel brennt.
es regnet asche, schwefelgelb und grau.

was wir hatten, wer wir waren, wen wir liebten: silberne schatten nur noch.
schweben, gleiten hinüber. wanderer
zwischen den welten.
kommen.
gehen …

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Copyright für Foto und Gedicht: Judith Theuerkauf

Wanderer zwischen den Welten (Version 1)

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Wanderer zwischen den Welten (1)

Sah Dich am Strand einen Augenblick.
Woher kommst Du, wo gehst Du hin?
Trägst Du Licht in Dir oder Dunkelheit?
Sind deine Gedanken rein und klar und frei?

Kurze Zeit nur. Ich sah mich nicht um.
Hast Deine Seele Du schon verkauft?
Oder versuchst Du sie zu retten?
Jeden Tag, dein Leben lang?

Ich sehe Deine Spuren vor mir im Sand.
Du warst hier.
Wer würdest Du sein, wenn Du die Wahl hast?
Warum wählst Du nicht?

Bist Du zu Gast nur auf dieser Welt?
Wenn ja: wer bin dann ich?

.

.

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Copyrights für Foto und Gedicht: Judith Theuerkauf.

Textistenzia im November

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Es steht wieder einiges auf meinem Programm:

  • Am 5. November findet der Workshop „Der Schreibprozess – Die wissenschaftliche Abschlussarbeit effektiv und effizient schreiben!“ in Zusammenarbeit mit der Zentralen Frauenbeauftragten der TU Berlin (Programm Zielgerade) statt. Der Workshop war innerhalb kurzer Zeit restlos ausgebucht; Anmeldungen sind daher nicht mehr möglich!
  • Außerdem werde ich im November und Dezember aufgrund des großen Erfolges im Oktober jeweils zwei Workshops an der Fakultät I der TU Berlin für Lehramtsstudenten und -studentinnen anbieten. Themen im November sind: „Das Schreibprojekt managen“ und „Wissenschaftlicher Stil – Was ist das?“.
    Diese Workshops biete ich als Ko-Referentin – begleitend zu einer bestehenden Lehrveranstaltung – ausschließlich für TeilnehmerInnen dieser Lehrveranstaltung an, Anmeldungen für die Workshops sind daher nicht möglich.
  • Meine Dissertation bewegt sich wieder: Prof. Steinmüller, mein Doktorvater, hat mir zu meiner Rohversion wertvolle Hinweise gegeben. Auf geht’s!
  • Ich arbeite außerdem an einem Blog-Beitrag zum „richtigen“ Zitieren und werde auch aus meiner Praxis als Text-Coach berichten. Mehr dazu dann im Lauf des Monats.

Viel Spaß beim Lesen! Viel Spaß beim Schreiben!

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